Seite 1 von 1

Entdecker-Geschichten

Der Blick schweift über die Weiten der afrikanischen Steppe bis zum in der flirrenden Hitze verschwimmenden Horizont, keine menschliche Behausung verstellt die Sicht, in der Ferne durchstreifen ein paar Nilpferde die karge Vegetation dieser grandiosen Landschaft: Es ist ein wahrhaft erhebender Anblick. So wahrscheinlich nahm auch Dr. Oscar Baumann diese Gegend wahr, als er als erster Europäer 1892 die Serengeti entdeckte.

Einstmals zogen Entdecker wie Dr. Baumann aus, um die Landkarten von ihren weissen Flecken zu befreien. Sie suchten neue Handelsrouten, die Quelle des Nils, schneebedeckte Berge mitten in Afrika, sagenumwobene Völker oder wollten schlicht beweisen, dass die Erde keine Scheibe sei. Sie brachten exotische Trophäen mit nach Hause, die ihre Häuser füllten, von Abenteuern und Gefahren erzählten und die Fantasie der Daheimgebliebenen anregten. Wir begegnen ihnen heute in den natur- und völkerkundlichen Museen und lassen uns noch immer gerne von diesen Zeugen des Fernen verzaubern, die schnell zu Stimulanzien für weitere Reisen wurden.

In den innovativsten Reisebüros unserer Zeit können wir ähnlich faszinierenden Sammelsurien begegnen. Da blicken uns grimmig dreinschauende Masken an und die fantasievollen Ornamente einer asiatischen Truhe erfreuen unser Auge.
Hat wohl ein grosser Entdecker eins einen der alten Tropenhelme getragen, die ungeordnet im Regal liegen? Und wo überhaupt kommen alle diese wundersamen Dinge her? Auf Nachfrage erfährt man, dass sie gezielt erworben wurden. Von einem Sammler, der frühmorgens mit Taschenlampe auf den Flohmärkten von Paris über Tongeren bis Berlin und Zürich auf Entdeckungstour geht, der Antiquitätenhändler in Asien und Südamerika kennt, der wertvolle Originale liebt und auch vor billigen Kopien keine Scheu hat. Sie wurden in der ganzen Welt zusammengetragen, nicht als Erinnerungsstücke einer bestimmten Reise, sondern damit sie ihre Geschichten erzählen und die Menschen dazu inspirieren, in die Welt zu reisen. Und so will man sich tatsächlich auf ihre Spuren begeben und zum Entdecker werden. Was macht es da schon, dass es vielleicht gar keine wirkliche Geschichte gibt? Wir lassen uns doch nur allzu gerne verführen. Und was macht es denn auch schon, dass beim erhebenden Blick über die Steppe der Serengeti in unserem Rücken ein luxuriöses Zelt mit Whirlpool und Butler auf uns wartet? In solchen Momenten bieten wir jeder Ernüchterung die Stirn, halten mit Wonne die Zeit an und werden selbst zu Abenteurern und Entdeckern, die dem Ziel ihrer Sehnsucht ganz nahe sind.