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Eyjafjallajökull

Interview mit dem Vulkanexperten Peter Diethelm

© Remo Nägeli

Der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull hielt Anfang 2010 die Welt in Atem und machte international Schlagzeilen, als seine Aschewolke den internationalen Flugverkehr störte. Der Schweizer Vulkanologe Peter Diethelm analysiert den Vulkanausbruch 2010 und erzählt, was die einzigartige Faszination eines Vulkans ausmacht.

Der Vulkan Eyjafjallajökull hat den internationalen Flugverkehr Anfang 2010 stark behindert. Ist die Gefahr nun gebannt?
Peter Diethelm: Diese Frage mit Ja oder Nein zu beantworten, würde bedeuten, dass sich das Verhalten des Vulkans voraussagen liesse. Dem ist im vorliegenden Fall allein schon deshalb nicht so, weil der Feuerberg bis 2010 erst dreimal ausgebrochen ist, nämlich in den Jahren 920, 1612 und 1821. Die feurige Persönlichkeit ist schlicht und einfach zu wenig bekannt. Ja, die letztjährige Eruption hat für Vulkanologen wohl mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Kurzund mittelfristig kann allerdings Entwarnung gegeben werden, zumal der Berg in den letzten Monaten mit einer Vielzahl von neuen Messinstrumenten ausgestattet wurde. Eine Vorwarnung in der Grössenordnung einiger Monate ist somit gegeben.

Waren das Ausmass des Vulkanausbruchs und seine Konsequenzen vorhersehbar?

Peter Diethelm: Der Zeitpunkt des Ausbruchs war relativ genau voraussehbar.
GPS-Messungen zeigten bereits über ein Jahr vor dem Ausbruch markante Deformationen der Oberfläche, verursacht durch aufdringendes Magma. Zwei Wochen vor dem Ausbruch wurden an einem Tag 3 000 Erdbeben registriert.

Im Gegensatz dazu sind aber weder das Ausmass noch die Konsequenzen einer Eruption heute vorhersehbar. Dafür wären Details des inneren Aufbaus eines Vulkans und der chemischen Vorgänge in seiner Magma Voraussetzung, die auch bei Vulkanen mit den besten Messinstrumenten heute nicht vorliegen.

All die Unwägbarkeiten zeigten sich beim Eyjafjalla deutlich. Bei den ersten Eruptionen vom 20. März bis zum 12. April war ausströmendes Magma zu sehen, was ein Leckerbissen fürs Auge ist. Den Flugverkehr tangiert hat jedoch der zweite Ausbruch vom 14. April bis zum 9. Juli. Beim Kontakt des Magmas mit Eis und Schmelzwasser wird diese abgeschreckt und in feinste glasige Partikel zerrissen, welche als sogenannte Vulkanasche durch Wasserdampf- Explosionen bis auf 9 000 Meter Höhe geschleudert wurde. Der Ausbruch erfolgte direkt unter dem Jetstream und dieser trieb die Asche ungewöhnlich konstant in südöstlicher Richtung, direkt ins Herz des intensiven europäischen Flugverkehrs. Allein die Verbindung dieser Faktoren – explosive Eruption, Ausbruch unter dem Jetstream, Windrichtung Südost, Konstanz des Jetstreams – hatten die bekannten, gravierenden Auswirkungen zur Folge.